Autor

Werner Linnenbrink

Head of Mobility

Werner Linnenbrink ist Experte für zukunftsfähige Mobilität und unterstützt Verkehrsbetriebe, Städte und Kommunen bei der digitalen Transformation. Mit langjähriger Erfahrung in der Branche verbindet er strategischs Denken mit praxisnahen Lösungen.

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On-Demand-Verkehr: Mobility on Demand als Schlüssel für flexible Mobilität in Stadt und Land

Stellen wir uns vor, eine Person wohnt in Dorfland. Es ist Sonntag um 13 Uhr und sie muss in die 15 Minuten entfernte Musterstadt. Per MyTrip-App auf dem Handy bucht sie einen Rufbus.

Acht Minuten später hupt es vor der Tür, sie steigt ein und fährt los. Einige Minuten später hält der Wagen einmal und eine ältere Frau steigt zu.

Am Busbahnhof in Musterstadt steigt unsere Person auf ein E-Bike und fährt zum Zielort. Es gibt keine Zeitlimits.

  • Die App informiert, wenn eine passende Mitfahrgelegenheit entsteht.
  • Alternativ kann man jederzeit selbst einen Bus an den Busbahnhof bestellen.
  • Alternativ kann man auch mit dem E-Bike nach Hause fahren und es am „Radplatz“ abstellen.

Diese kurze Geschichte veranschaulicht das Prinzip des On-Demand-Verkehrs!

Inhaltsverzeichnis

On-Demand-Verkehr einfach erklärt:

„On-Demand“ oder „Mobility on Demand“ bedeutet so viel wie „auf Abruf“. Der On-Demand-Verkehr besteht in der Regel aus kombinierten Mobilitätsangeboten.

  • Dazu gehören Rufbusse, die auf Bestellung an vorgesehenen Haltestellen Fahrgäste aufnehmen.
  • Sammeltaxis, die Fahrgäste mit ähnlichen Fahrtzielen gemeinsam transportieren.
  • Dazu kommen On-Demand-Shuttles, die flexibel ohne festen Fahrplan fahren und auch Einzelpersonen transportieren.
  • Beim Ridepooling steigen mehrere Personen mit ähnlichen Zielen im selben Fahrzeug über die Strecke ein und aus.

Das Ziel von Mobilität auf Abruf ist es, auf effiziente Weise dafür zu sorgen, dass auch entlegene Orte bestmöglich an die bestehende Infrastruktur angebunden werden – und das so flexibel und komfortabel wie möglich.

Besonders im ländlichen Raum ist On-Demand-Mobilität entscheidend

In ländlich geprägten Regionen ist es herausfordernd, den Linienverkehr im ÖPNV wirtschaftlich zu betreiben und gleichzeitig ein zeitlich und räumlich attraktives Angebot zu ermöglichen.  

Laut einer Ioki-Studie aus dem Jahr 2022 sind im Schnitt 55 Millionen Menschen im ländlichen Raum unterversorgt, was Mobilitätsangebote betrifft [1].

Während Metropolregionen und Außenbezirke immer bessere Mobilitätsangebote entwickeln, hinkt der ländliche Raum hinterher.    

56 % aller Autofahrten mit dem privaten Pkw entfallen auf ländliche Regionen, nur 5 % werden mit dem ÖPNV bewältigt.

So kann Mobility on Demand in Deutschland funktionieren

Die Menschen brauchen im Alltag Flexibilität. Deshalb ist das Auto nach wie vor das Transportmittel Nummer 1.

Der ÖPNV auf Abruf zeichnet sich dadurch aus, dass er nur dann fährt, wenn er gebraucht wird. Es ist also flexibel.

So wird On-Demand-Verkehr rentabel:

Lösungen wie unsere MobilitySuite nutzen einen Routing-Algorithmus, der Buchungen bündelt – ein Verfahren, das als Pooling bezeichnet wird.

Ein Beispiel:  highQ MobilitySuite + mytraQ + interne Produktintegration = On-Demand-Plattform

Neben den klassischen Haltestellen des Busverkehrs und besonderen Points of Interest kommen dabei auch virtuelle Haltestellen zum Einsatz.

Für eine Fahrt reicht die Angabe eines Start- und Zielpunktes. Die Buchungsplattform errechnet daraus eine Verbindung und zeigt sie der Person an.

Nach der Buchung der Fahrt legt das System verschiedene Fahrtwünsche mit der besten Routenplanung für jede individuelle Buchung zusammen.

Die Fahrt von A nach B resultiert dann im Ein- und Aussteigen verschiedener Fahrgäste auf genau dieser perfekten Route.

Der Fahrpreis ist in der Regel ein Sondertarif, der zwischen dem Verbundtarif und dem Taxitarif liegt. Dadurch wird die einzelne Fahrt wirtschaftlicher und ökologisch vorteilhafter, und die Fahrgäste erhalten ein Angebot, das sie mit dem klassischen Linienverkehr nicht hätten.

On-Demand-Verkehr kann auf vier Arten betrieben werden

Eine solche Mobilität muss natürlich geplant werden. Einige Konzepte und Standorte profitieren nur, wenn Abzweigungen bei der Route möglich sind.

An anderen Orten könnten verschiedene Tarifzonen oder Verkehrsverbünde aufeinandertreffen.

In seltenen Fällen kann es auch dazu kommen, dass sich Stadt A nicht an dem Pilotprojekt von Stadt B und C beteiligt:

  • Entweder will man sich nicht an den Kosten beteiligen oder man kann es nicht.
  • Oder die bestehende Lösung wird als ausreichend gut erachtet.

Damit die Mobilität der Zukunft dennoch ermöglicht werden kann, gibt es verschiedene Varianten in der Betriebsführung. 

Bedarfslinienbetrieb

Richtungsbandbetrieb

Sektorbetrieb

Flächenbetrieb

Wichtig:

Die Art, wie der On-Demand-Verkehr angeboten wird, hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Betriebsplanung, sondern beeinflusst auch die Genehmigungsverfahren höherer Instanzen.

Das bringt uns zur gesetzlichen Situation der On-Demand-Verkehre. 

On-Demand im deutschen ÖPNV: Die neue PBefG-Novelle

Mit der letzten Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) im Jahr 2021 wurde der On-Demand-Verkehr in den ÖPNV integriert.    

Damit hat er seinen festen Platz im Mobilitätsmix des deutschen Nahverkehrs gefunden.  

Gemäß Paragraf 44 PBefG zählt er zu den Linienbedarfsverkehren ohne festen Linienweg, die vorab bestellt werden müssen.  

Paragraf 50 beschreibt den gebündelten Bedarfsverkehr und reguliert Ridepooling-Angebote.

Gleichzeitig gelten für ihn auch sämtliche Rechte und Pflichten des Linienverkehrs, insbesondere die Vorgaben zur Barrierefreiheit und zur betrieblichen Durchführung.

Der NRW-Verkehrsminister betonte erst im Juni 2025 im WDR, dass On-Demand-Angebote einen wichtigen Baustein zur Stärkung des ÖPNV bilden.

Grund dafür sind die guten Erfahrungen im Bedarfsverkehr nach den Neuerungen im PBefG. Somit sind sich Gesetzgeber und Vertreter der Länder einig. Das bietet uns Chancen, birgt aber auch Risiken.

Chancen und Nutzen von Mobility On Demand

Die flexible Mobilität und die bedarfsgerechte Anbindung ländlicher Räume funktionieren vielerorts bereits sehr gut.

So hat eine Analyse des VRR aufgezeigt, dass diese Verkehrsangebote auch spät abends nicht nur Transport, sondern auch Sicherheit bieten [3].

Mobilität für alle erhöht den Lebensstandard

Auch das Thema soziale Teilhabe gewinnt an Bedeutung [4]. So haben Menschen im ländlichen Raum:

  • Mehr Zugang zum täglichen Leben der nächstgrößeren Stadt.
  • Sie können ihre Jobsuche ausweiten und besser pendeln.
  • Zudem wissen sie ihre Kinder in der für sie geeigneten Schule.

All das steht im Einklang mit möglichen ökologischen Werten, Nachhaltigkeit oder es ist schlichtweg bequemer, denn das Auto bleibt stehen.

Eine gute Infrastruktur fördert kommunale Entwicklungen

Neben einer deutlichen Steigerung des Lebensstandards wird auch der Ort selbst attraktiver:

  • Immobilien werden durch die Anbindung wertvoller.
  • Das wiederum fördert den dringend benötigten Wohnbau.
  • Firmen könnten Außenstellen errichten.
  • Spezialisierte Fachhändler und Feinkostläden können sich ansiedeln.

Mobilität wirkt sich weitreichend aus, stärkt Landkreise und verbindet Menschen.

Das Klima profitiert ebenfalls davon

Wenn wir von CO₂ im Verkehr sprechen, meinen wir die pro Kopf entstandenen Emissionen.  

Der Unterschied wird deutlich, wenn statt fünf Menschen in vier Autos fünf Menschen in einem Shuttle-Bus auf derselben Strecke unterwegs sind.

Wenn der Bus mit LPG, Wasserstoff oder Strom fährt, wird die Umweltbelastung noch weiter reduziert.

Die Incentivierung solcher Mobilitätsangebote fördert dann das umweltbewusste Mobilitätsverhalten der Menschen zusätzlich.

Welche Herausforderungen und Risiken sind mit On-Demand-Verkehren verbunden?

Jede Medaille hat eine Kehrseite. Mobilitätslösungen wie diese bergen stets Hürden, die zunächst genommen werden müssen.

Solche flexiblen Angebote sind Teil des Verkehrsaufkommens. Zudem wurden viele Projekte mangels Wirtschaftlichkeit eingestellt.

Wie sieht es also in der Praxis aus?

Haben wir mehr Verkehr statt weniger?

Studien zeigen: On-Demand-Angebote stützen die Schiene und ersetzen sie nicht. In der Praxis muss dies jedoch auch von den Verkehrsanbietern und der Deutschen Bahn unterstützt werden.

Denn ohne ÖPNV-Integration kann ein solches Mobilitätskonzept den Pkw-Verkehr erhöhen [1].

Das Ziel muss daher sein, den allgemeinen ÖPNV mit On-Demand-Konzepten in Einklang zu bringen.

Finanzierung und Wirtschaftlichkeit sind ebenfalls wichtige Themen

In Deutschland sind mittlerweile knapp 140 On-Demand-Projekte mit über 500 Fahrzeugen im Betrieb.

Zahlreiche Projekte wurden allerdings wieder eingestellt, nachdem die Bundes- oder Landesfinanzierung ausgelaufen war.

Das hat viele Ursachen:

  • Konzepte wie der Linienbedarfsverkehr sind nur bei schwacher Nachfrage wirtschaftlich.
  • Zudem entfallen im Durchschnitt 50 % der Betriebskosten auf das Fahrpersonal.
  • Interessant für die Wirtschaftsfrage ist auch, dass die Hälfte aller Projekte im ländlichen Raum etabliert wurde.

On-Demand-Verkehr ist nicht gleichzusetzen mit einer vernetzten Mobilitätsvielfalt im städtischen Bereich, sondern nur ein Teil davon.

Dementsprechend muss diese Form des Mobilitätsangebots auch in eine komplette Struktur – vom Buchungsportal bis hin zur Fahrplanoptimierung und zum Tarifsystem – integriert werden.

Dafür gibt es die highQ MobilitySuite

Unsere vernetzte Mobilitätsplattform umfasst Fahrplansysteme, Ticketing-Lösungen und eine Echtzeitdatenauswertung.

Wir haben Erfahrung damit, On-Demand-Verkehr wirtschaftlich zu integrieren. Das haben wir in etlichen Projekten bereits erfolgreich getan.

Expertengespräch buchen

Die Lösung der Schwierigkeiten im Bereich der flexiblen Mobilität in Deutschland:

On-Demand-Verkehre eignen sich auch als Vorlaufbetrieb, um die Nachfrage in einem bestimmten Verkehrsraum zu steigern. Die Praxis zeigt, dass dies möglich ist.

Beim RMV (Rhein-Main-Verkehrsbund) nutzten am Ende über drei Millionen Fahrgäste die On-Demand-Shuttles. Das Angebot wurde im Durchschnitt mit 4,8 Sternen bewertet [5].

Es scheitert also weder an der Nachfrage noch an den Fahrgästen. In den nächsten Jahren wird es dazu auch einen Ansatz gegen hohe Personalkosten geben.

Autonomes Fahren als Lösung für hohe Personalkosten

Die fortschreitende technische Entwicklung beim autonomen Fahren ermöglicht eine wirtschaftlich nachhaltige Perspektive für Mobility on Demand:

  • In Phoenix, San Francisco, Los Angeles und Austin (USA) sind bereits erste fahrerlose Taxis im Einsatz [6].
  • Auch unsere Schweizer Nachbarn werden im Kanton Zürich in Kürze Robotaxis der Firma Swiss Transit Lab als Pilotprojekt mit der SBB einsetzen [7].
  • In Deutschland gibt es seit Kurzem das Projekt KIRA in Südhessen mit der DB und dem RMV [8].

Was vor wenigen Jahren noch als „Zukunftsmusik“ galt, ist nun in der Betaphase greifbare Realität. Hamburg und Offenburg folgen.

Bis 2030 wird autonomes Fahren etablierter Standard sein

Aktuell wird die sogenannte Automatisierungsstufe „Level 4“ benötigt, bei der die Entscheidung über die Fahrmanöver beim Fahrzeug liegt und kein Sicherheitsfahrer anwesend sein muss.

Ab diesem Punkt entfallen die Personalkosten und der On-Demand-Verkehr erreicht ein neues Level der Wirtschaftlichkeit.

In den nächsten fünf bis zehn Jahren dürfte sich das autonome Fahren meiner Prognose nach etabliert haben.

Gewinner sind diejenigen, die heute schon entsprechende Vorbereitungen treffen und Partner gewinnen, um Mobilitätskonzepte zukunftsfähig zu planen.

Meine Meinung und klare Handlungsempfehlungen zu Mobility on Demand-Konzepten

Der Trend zu neuer, individueller Mobilität im öffentlichen Raum wird weiter zunehmen.

Verkehrsämter, Städte, Kommunen und Verkehrsverbünde sollten integrativ denken und über suburbane Stadt-Umland-Beziehungen sowie den ländlichen Raum hinausblicken.

Flexible Mobilitätslösungen auf Abruf beleben ganze Landstriche, verbinden Menschen und fördern die Wirtschaft.

Das Verkehrsangebot in Deutschland kann durch On-Demand-Angebote flexibler, attraktiver und wirtschaftlicher werden.

Integrierte Konzepte sind ein notwendiger Schritt

Kommunen, Aufgabenträger und Verkehrsverbünde/-unternehmen sollten On-Demand-Verkehre als integralen Bestandteil in ihre Nahverkehrspläne aufnehmen.  

Dort, wo Ausschreibungen erfolgen, sollten integrierte Bedienungskonzepte vergeben werden, die eine differenzierte Bedienung ermöglichen.

Innovationen durch autonomes Fahren, Shuttle-Systeme und moderne Buchungsplattformen sind wichtig und werden in Zukunft noch wichtiger werden [6].

Dabei dürfen auch die Incentivierung von Mobilitätsangeboten und weitere Anreizsysteme bis hin zur betrieblichen Mobilität nicht vergessen werden.

Ganzheitliche All-in-one-Lösungen

Plattformbasierte Lösungen vermeiden das App-Chaos und erleichtern die Nutzung.

Systeme, die alle Verkehrsträger an einer Stelle bündeln (Single-Sign-On), erhöhen die Akzeptanz.

Eine einfache Handhabung, ergänzt um weitere Services, führt zu mehr Convenience und Vertrauen. Dadurch wird eine nachhaltige Nutzung öffentlicher Mobilitätsangebote gefördert, was einen Beitrag zur Verkehrswende leistet.

Über unseren Autor Werner Linnenbrink

Als Head of Mobility bei highQ Computerlösungen setze ich mich für eine bessere Mobilität von morgen ein.

  • Initiator des Projekts MOIN+ in Osnabrück und Osnabrücker Land
  • Auszeichnung Best Practice 2021 im Bündnis federführender Fachverbände und Institutionen für Städte und Gemeinden in Deutschland
  • Deutscher Mobilitätspreis 2020 des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV)

Gerne können wir uns via LinkedIn vernetzen.

Bei Fragen schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an w.linnenbrink@highQ.de.


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