Einnahmeaufteilung im Verkehrsverbund

12.09.17
 
ÖPNV

Einen gerechten Ausgleich schaffen: Einnahmeaufteilung im Verkehrsverbund

Die Zuscheidung der Fahrgeldeinnahmen in einem Verkehrsverbund ist eine komplexe Angelegenheit. Entsprechende Einnahmeaufteilungsverfahren (EAV) müssen zahlreiche Kriterien berücksichtigen. Wir haben ein EAV-Softwaremodul entwickelt, das sich flexibel an die Voraussetzungen kleiner wie großer Verbünde anpassen lässt.

Von wo nach wo ist der Fahrgast mit seinen Zwei-Zonen-Ticket genau gefahren? Wie viele Fahrten hat er mit seiner Tageskarte unternommen und hat er dafür den Bus oder den Zug genutzt? Diese Fragen sind alles andere als trivial: „Bei Anwendung eines Verbundtarifs ist es in der Regel nicht mehr möglich, die leistungsbezogenen Einnahmen der beteiligten Verkehrsunternehmen direkt zu bestimmen“, erklärt der renommierte Verkehrsexperte Dr. Manfred Ritschel das Grundproblem. „Ziel jedes EAV ist es daher, eine nachvollziehbare Aufteilungsformel auf Basis der im Verbund erbrachten Tarif- und Verkehrsnachfrage zu ermitteln.“

Um eine von allen Beteiligten als gerecht empfundene Einnahmeaufteilung zu finden, sind in der Regel mehrjährige Diskussionen und Verhandlungen erforderlich, bei denen highQ seinen Kunden mit Rat und Tat zur Seite steht. „Die Programmierung ist dann der leichtere Teil der Aufgabe“, sagt highQ-Projektleiter Erik Schlegel. „In unserer Software sind alle möglichen Aufteilungsmethoden bereits angelegt, sodass wir die vom jeweiligen Verbund gewünschte Vorgehensweise individuell abbilden können.“ Neben nachfragebasierten Modellen, die sich an Kenngrößen wie Verkehrsmenge (Linienbeförderungsfälle) bzw. Verkehrsleistung (Personenkilometer) orientieren, finden heute vertriebsdatenbasierte EAV zunehmend Verbreitung. Hierfür müssen diese Daten allerdings in ausreichend detaillierter Form vorliegen.

Aktuelle EAV-Projekte in zwei Verbünden

Solche vertriebsdatenbasierte EAV erarbeitet highQ gegenwärtig für zwei Verbünde, den Verkehrsverbund Schwarzwald-Baar (VSB) und den Tarifverbund OstalbMobil. Das VSB-Projekt wird von Dr. Manfred Ritschel unterstützt: „Unser Modell basiert auf dem Ansatz, dass die Einnahme je Tarifart und Gesamtweg ermittelt wird und die Aufteilung nach Teilwegen unter Berücksichtigung von Parallelverkehren vorgenommen wird“, erläutert Ritschel die Vorgehensweise. Auch eine ggf. geringere Auslastung der Zubringerverkehre wird im Modell berücksichtigt: „Die simple Erkenntnis ‚Schiene gewinnt, Bus verliert’ hilft nicht weiter“, erklärt Erik Schlegel, „denn ohne den Anschlussbus kommt der Fahrgast nicht zu seinem Ziel.“

Thomas J. Mager, Geschäftsführer des VSB weist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung des seit 2003 umgesetzten Ringzug-Projektes hin. „Für dieses einmalige Zug-Bus-Konzept, das von 3 Landkreisen getragen wird, gibt es die interkommunale 3er-Tarifkooperation, deren Clearingergebnis noch in das Binnentarifclearing eingehen“. Der neue Verteilungsschlüssel der 15 VSB-Partner gilt rückwirkend zum 1. Januar 2017 und soll zum Jahresbeginn 2018 betriebsfertig umgesetzt sein.

Das neue EAV von OstalbMobil, einem Verbund mit 22 Partnern, ist bereits in diesem August in den Realbetrieb gegangen. Hier standen die Grundsätze der Einnahmeaufteilung schon weitgehend fest, zudem waren relativ präzise Daten aus Ticketautomaten und Fahrscheindruckern verfügbar. Somit ging es hier vor allem darum, die vorhandenen Daten aus unterschiedlichen Systemen in konsistenter Form in das EAV-Modul von highQ zu übernehmen. „Wir haben einen fein gegliederten Zonentarif“, beschreibt OstalbMobil-Geschäftsführer Paul-Gerhard Maier die Herausforderung. „Dieser sorgt für mehr Gerechtigkeit bei der Preisermittlung und der Einnahmeaufteilung, dafür müssen deutlich mehr Tarife gepflegt werden. Diese konnten jedoch eins zu eins im highQ-System abgebildet werden.“ Die Übernahme von Daten aus Fremdsystemen gehört, neben der Abbildung individueller Regelsätze, zu den Stärken des von highQ entwickelten EAV-Moduls.

Übergang von einem statischen zu einem dynamischen System

Was spricht für die Umstellung auf ein aktuelles EAV? „In vielen Verbünden gibt es bisher nur eine grobe, historisch gewachsene Aufteilung auf Basis von Alteinnahmen“, erklärt Erik Schlegel von highQ. Dieses statische, nicht fortschreibbare Modell genüge jedoch den heutigen (v.a. rechtlichen) Anforderungen nicht mehr: „Solche „toten“ Systeme bilden die sich verändernde Verkehrssituation nicht mehr korrekt ab. Ein vertriebsdatenbasiertes EAV ist hingegen ein lebendes System, das mit der Verkehrsentwicklung Schritt hält und so stets aktuell bleibt.“ Auf aufwändige Fahrgastzählungen kann dann künftig verzichtet werden. Zudem stellt sich bei allen Beteiligten eher das Gefühl ein, gerecht behandelt zu werden, wie Paul-Gerhard Maier von OstalbMobil bestätigt: „Unsere Einnahmeaufteilung ist jetzt deutlich aktueller und präziser und somit für alle Beteiligten gut nachvollziehbar.“

Bild: highQ