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Ausgabe Mai 2005 (49. Jahrgang)
RegioTrans 2005, Bernward Janzing

 

Informations-, Leit- und Zahlsysteme: Softwarelösungen für den ÖPNV

highQ Computerlösungen GmbH / D-79100 Freiburg.

Sie begannen einst als Softwareschmiede der Südbadenbus GmbH (SBG). Und auch heute noch ist die Freiburger Firma highQ überwiegend für die regionale Bahntochter SBG tätig – doch zunehmend bieten die Datenspezialisten aus dem Südwesten auch anderen Verkehrsunternehmen in Deutschland ihre Dienste an. Die Geschichte der Firma begann 1990, als die beiden Physikstudenten Christian Disch und Thomas Hornig bei der SBG wegen eines Nebenjobs als Programmierer anfragten. Der Aufbau eines PC-Netzwerks war ihre erste Aufgabe. Die Zusammenarbeit wurde im Laufe der Jahre immer intensiver, bis die beiden heute 35-jährigen Physiker im Jahre 1996 die Firma highQ Computerlösungen GmbH gründeten – inzwischen entwickeln sie als Hauslieferant der SBG die gesamte Palette an branchenspezifischen EDV-Lösungen. Die Anbindung an das regionale Verkehrsunternehmen sei über Jahre hinweg so eng gewesen, dass mancher SBG-Mitarbeiter gar nicht gewußt habe, dass highQ eine eigene Firma ist, berichtet Geschäftsführer Disch.
Heute hat das Unternehmen 14 Mitarbeiter und versucht sich mit den Softwarelösungen auch auf dem bundesweiten Markt zu behaupten.

 

Das Angebot reicht inzwischen von einem System zur Entwicklung von Fahrplan- und Dienstplänen über ein Abrechnungssystem, ein Informationssystem zur Sicherung von Schiene-Bus-Anschlüssen bis hin zu einem System für die Fahrkartenverwaltung und Abrechnung, so genanntes Electronic Ticketing. »PlanB« heißt das Fahr- und Dienstplanungssystem, das nicht nur die Fahrpläne entwickeln hilft, sondern zugleich das Management der Fahrzeuge wie auch die Planung der Arbeitsschichten als integriertes System übernimmt. Neben der SBG nutzen auch die Verkehrsbetriebe im niedersächsischen Celle dieses System bereits, heißt es beim Hersteller.


Die Software bietet in der Tat vielfältige Möglichkeiten. Zahlreiche interne Plausibilitäts- und Fehlerkontrollen schützen bei einer Fahrplanänderung vor bösen Überraschungen in der Realität. Anhand hinterlegter geographischer Koordinaten einer jeden Haltestelle prüft das System zum Beispiel, ob die angesetzten Fahrzeiten überhaupt einzuhalten sind, und es meldet unrealistische Geschwindigkeiten. Zugleich hilft das System die Einsatzplanung der Fahrzeuge zu optimieren und prüft die gesetzliche Zulässigkeit der Lenkzeiten. Wird der Fahrplan an irgendeiner Stelle verändert, verdeutlicht das Programm sofort die vielfältigen Konsequenzen für den gesamten Betriebsablauf. Zugleich stehen zahlreiche Export-Formate zur Verfügung, so dass Kursbuchtabellen einer Buslinie binnen Sekundenbruchteilen als pdf-Dokument ausgegeben werden, die dann als Druckvorlage dienen können. Auch die Abfahrts- und Ankunftstafeln für die Haltestellen lassen sich problemlos im gewünschten Design ausgeben. »Ohne Vorkenntnisse« sei das Programmpaket nutzbar, heißt es bei der Firma.


Trotz seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten haben die Entwickler Wert auf eine kompakte Lösung gelegt. So kann das komplette Programm-Paket mit allen eingebundenen Datenbanken auf einem simplen USB-Stick gespeichert werden. »Wir haben mit der Entwicklung der Software begonnen in einer Zeit, als das Programmieren noch billiger war als die Hardware«, sagt Geschäftsführer Hornig. Und gemäß dieser Strategie verfahre man noch heute: Das System kann auf jedem PC oder Laptop laufen. »Wir wollen unsere Entwicklung auch kleinen Busbetrieben anbieten können«, sagt Hornig. Lösungen, die nur auf einem Server laufen, seien für kleine Unternehmen oft unattraktiv. Gerade die kleinen Unternehmen aber will highQ auch erreichen.

 

Unterdessen haben die Freiburger Softwareentwickler für die Abrechnung der Einnahmen das System »easyB« entwickelt. Mit dem Buchhaltungs-Gesamtsystem für Verbünde lassen sich die Bordrechner per Funk »im Vorbeifahren« auslesen, und die Daten des Tages in einer zentralen Datenbank zusammenführen. Das System kann die Bargeldeinnahmen kontrollieren und liefert wichtige Auswertungen für die Bilanzen, die Planung und das Controlling. – Für den Fahrgast wiederum sehr wichtig ist das Informationssystem BUS (ISB). Es versorgt die Busfahrer mit Informationen über Zugverspätungen, wenn der Bus als Anschlußverbindung vorgesehen ist. Die Mitteilungen werden in Form von SMS-Kurznachrichten auf die Diensthandys der Busfahrer übermittelt, womit ein technisch sehr einfaches und kostengünstiges Verfahren gewählt wurde.

 

Ein weiterer Baustein im Rundum-Service der Firma ist schließlich das Electronic Ticketing. Prominentester Kunde ist hier die DB AutoZug, deren Autoreisezug »SyltShuttle« bei der Fahrt über den Hindenburgdamm nach Westerland die Freiburger Technologie einsetzt: Die komplette Software der Ticketverwaltung stammt von highQ. »Q-ticket« nennt die Firma das gesamte Paket. Es bietet neben der Rechnungs- und Quittungserstellung auch den Lastschrifteinzug und Schnittstellen für den Datenexport. Gerade in den dort eingesetzten modernen, berührungslos arbeitenden Karten sieht die Freiburger Firma große Perspektiven für die Verkehrsbetriebe. Denn einerseits könne man damit die Kundenbindung verbessern, andererseits aber auch die Kosten senken. Und Verzögerungen durch den Bezahlvorgang lassen sich darüber hinaus außerdem reduzieren. Das elektronische System erschließe auch den Kunden neue Möglichkeiten, die ohne Elektronik nicht umsetzbar wären, erläutert Hornig. So könnten Verkehrsbetriebe ihren Kunden künftig eine sogenannte Bestprice-Abrechnung anbieten. Dann kann der Kunde ohne Bargeld in Busse und Bahnen einsteigen, wann immer er gerade Bedarf hat, und am Ende bekommt er die Fahrten nach dem für ihn günstigsten Tarif abgerechnet. Das können dann in einem Monat mehrere Einzeltickets sein, während im nächsten Monat vielleicht eine Monatskarte günstiger ist. So muss sich kein Kunde mehr Gedanken darüber machen, ob er nun eine Monatskarte kauft oder nicht – er bezahlt erst nach Ablauf des Monats für die Leistungen, die er in Anspruch genommen hat.
Zugleich lässt sich auch der Ein- und Ausstieg des Fahrgastes ermitteln, um Fahrtabschnitte individuell zu berechnen. Erst die Nutzung kontaktloser Karten – auch ProximityCards genannt – macht die Einführung derlei komfortabler Abrechnungsverfahren praktikabel. Sie ermöglichen Datenübertragungen zu den Terminals bis zu einer Entfernung von 10 Zentimetern. Die Transaktionen sind mehr als doppelt so schnell wie bei den schnellsten kontaktbehafteten Karten. Auch für die SBG hat highQ bereits kontaktlose Monatskarten entwickelt. Als weitere Option gilt der Einsatz der Radio Frequency Identification (RFID), die auf der berührungslosen Erfassung von Bewegungsprofilen mittels Transpondern beruht. Hier allerdings ist die Frage des Datenschutzes, und damit auch die Frage der Akzeptanz durch die Kunden noch nicht geklärt. Unabhängig von der künftig zum Zuge kommenden Technologie setzt die Firma highQ jedenfalls auf die so genannte »All-in-1-Card«. Diese solle, so Hornig, die Zahl der Chipkarten in den Brieftaschen reduzieren, indem eine Vielzahl von Anwendungen in einer Karte vereinigt werden – bis hin zur Bezahlung des Kaffees am Automaten.

 

 

Autor: Hermann Kuhn GmbH & Co. KG Verlag, Herr Bernward Janzing
Quelle: RegioTrans 2005, Ausgabe Mai 2005, Seite 198
Herausgeber: www.kuhn-kataloge.de